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Wort zum Sonntag Exaudi 24.5.2020

Exaudi heißt der Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Er hat seinen Namen von Psalm 27,7 „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe.“  

„Ist da jemand, ist da jemand“ heißt es in einem Popsong, der im letzten Jahr in einem Konfirmationsgottesdienst als Einstieg in die Predigt gespielt wurde und diese Sehnsucht, dass da mehr ist zwischen Himmel und Erde, in Worte und in Musik fasst. Die Sehnsucht nach einem, der wie ein liebender Vater, wie eine liebende Mutter oder ein Freund mich sieht, beschützt, mir hilft, die richtigen Wege im Leben zu finden und mich am Ende meines Lebens erwartet.

Wie kann diese Sehnsucht in Hoffnung und Zuversicht verwandelt werden? In dem man zu ihr steht und sie anderen mitteilt, sie mit anderen teilt.         Das ist nicht einfach. Das ist schwer, denn da kommen die Themen „Abschied“ und „Trauer“ ins Spiel.

Nun war er weg. Jesus hatte sich von seinen Jüngern verabschiedet und war in den Himmel aufgefahren. Seine Jünger blieben auf der Erde nicht mit einer Leere zurück, sondern mit einem Versprechen Jesu. Er versprach „den Tröster“ zu schicken, den Heiligen Geist. Statt Leere war da Erwartung auf die Erfüllung eines Versprechens.

Nun war er weg und ich hatte mich nicht verabschieden können.  Mein Großvater starb überraschend an einem Herzinfarkt, als ich 17 Jahre alt war. Ein Großvater, der mich liebte und mich das spüren ließ. Er war einfach weg und meine Großmutter blieb in unendlicher Trauer zurück. Bei etlichen Besuchen teilte ich ihre Trauer: den täglichen Gang auf den Friedhof und das anschließende Verweilen auf einer Bank. Meine Großmutter wiederholte ganz oft den Gedanken: `Ich wäre so gerne bei ihm im Himmel.´ Ihre Sehnsucht erlebte ich so eindrücklich, dass ich anfing, an den Himmel zu glauben und viele Jahre mich mit dem Gedanken tröstete: `Wenn ich mal im Himmel bei Gott bin, dann kriegt der von mir was zu hören. Wie konnte er Opa so unvermittelt zu sich holen und uns keine Zeit zum Abschiednehmen lassen?´ Ich weiß, das klingt naiv. Aber es hat geholfen.           

Später, als Theologiestudentin, begegnete ich den Jesus-Geschichten vom Reich Gottes neu. Ich hatte sie in Kindergottesdiensttagen mit Interesse gehört. Nun dachte ich dabei auch immer wieder an diese Situation: Mit Oma auf der Bank auf dem Friedhof und unsere geteilte Sehnsucht nach dem Himmel. Die Liebe Gottes umfasst alles und alle. Sie ist immer da, öffnet den Blick für die Zukunft (Hoffnung) und schenkt Kraft, neue Wege zu wagen.

Schon beim Propheten Jeremia lesen wir von dieser Hoffnung und Gewissheit: Jer.31,31 „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und dem Hause Juda einen Bund schließen…“. Jer. 31,33:“…ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.“ (Predigttext für Exaudi 2020: Jeremia 31,31-34). Ein neuer Bund, nicht mehr gegründet auf Gebote und Gesetz sondern auf die Liebe. Eine Verbindung mit einem Gott, der liebt und vergibt, der barmherzig ist und gütig. In diesen Tagen wird das Grab meiner geliebten Großeltern aufgelöst. Aber die Beiden leben in meinem Herzen weiter und ich bin ihnen sehr dankbar für diese Erfahrung.

Nun leben wir schon 11 Wochen mit Corona-Bedingungen. Die ganze Welt wurde auf den Kopf gestellt. Immer noch erfahren wir jeden Tag über neue Nöte, die entstanden sind, aber auch über die Chancen, die diese weltweite Krise bietet. Ich hoffe und bete, dass die Verantwortlichen nicht nur eine brummende Wirtschaft im Blick haben, sondern ein Herz für den Planeten und für die vielen Menschen am Rande, derer wir in den Sonntagsgottesdiensten in der Fürbitte gedenken.                                        „Gott, gib uns die Gelassenheit, Dinge hin zu nehmen, die wir nicht ändern können, den Mut, Dinge zu ändern, die wir ändern können und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (EG 822)

Anke Diederichs, Pastorin in Ritterhude und Scharmbeckstotel.

 

Ein Wort zum Sonntag Rogate, 17. Mai

Was ist „Normal“?

"Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet."

 Viele Grüße aus meinem Urlaub. „Normalerweise“ würde ich nun im Urlaub an einem Strand auf einer Griechischen Insel liegen. So bin ich es gewohnt. Nun, Corona sei Dank, muss ich meinen Urlaub auf meinem Balkon machen. Auch schön - mit Blick auf die Hammeweiden. Rehe und Fasanen kann ich sichten, und Habichte kreisen über die Weiden.

 Im Fernsehen wird berichtet, dass die Strände in Thailand Menschenleer sind. Delphine tummeln sich nun dort, wo Menschen sich im Meer vergnügt haben. Die Flugzeuge sind geerdet. So auch wir. In Venedig entdeckt man wieder Fische in den Kanälen. Das Wasser ist so klar, dass man Quallen sichten kann. Kreuzfahrtschiffe stören die Ruhe nicht. Aus Los Angeles, New York und Atlanta wird berichtet, dass man wieder den Blauen Himmel sehen kann. Smog frei. Normal ist das ganze nicht.

 Es tun sich Schattenseiten auf. Krankenschwestern und Pfleger, seit langem schon unterbezahlt leisten nun die rettende Arbeit. In vielen Ländern haben Menschen keinen Zugang zu einem Gesundheitssystem. Die Krise trifft die Schwächsten, Alte, Menschen mit Vorerkrankungen und die Armen. Hier in Deutschland stehen wir mit unserem Gesundheitssystem noch ganz gut da. Aber es offenbaren sich im schulischen Bereich drastische Probleme. In vielen Schulen funktionieren die Sanitäreinrichtungen nicht und für den digitalen Unterricht fehlt es an allen Ecken und Enden.

 Und dann gibt es gibt den Ruf: „Zurück zur Normalität“! Es geht um die Wirtschaft, Arbeitsplätze und um unseren Wohlstand. Menschliche Existenzen sind bedroht. Die Sorge um die Gesundheit steht der Sorge um die wirtschaftliche Existenz gegenüber.

 Aber was heißt hier „Normal“? Klar ist, dass der Weg zurück ins bekannte „Normal“, auf die eine oder andere Weise versperrt ist und auch bleiben wird. Er wird auch dann versperrt bleiben, wenn es einen Impfstoff geben sollte. Hände waschen, Abstand halten, Hygiene Vorschriften, und auch die Masken werden mal-mehr-mal-weniger zur Normalität gehören. Das ist auf den ersten Blick schon Mal das „Neue Normal“. Ganz anders als wir es gewohnt sind. Wir werden uns daran gewöhnen.

 Es geht aber um eine viel tiefere Frage. Wollen wir zurück in den Smog, zurück ins Flugzeug, aufs Kreuzfahrtschiff? Das Flugzeug und das Kreuzfahrtschiff sind für mich die Chiffren für eine Spaßgesellschaft, die auf Kosten der Natur, die Welt besichtigt hat, nach der Devise: „Man lebt nur einmal, man muss die Welt gesehen haben.“ Die CO2 Bilanz ist verheerend. Sie sind auch zu Gesundheitsfallen geworden. Oder wollen wir unsere Kinder zurück in delapidierte Schulen schicken. Alles Zeichen dafür, dass sich etwas ändern muss; ein „Neues Normal“ gefunden und entdeckt werden muss.

 Wie das „Neue Normal“ aussehen wird, vermag ich jetzt so noch nicht zu sagen; es wird sich erst mit der Zeit herausbilden. Ein Gebet aber gehört dazu. Zum Gebet gehört die Bitte zur Veränderung, dass es besser wird als vorher. Ein Gebet wendet sich an den, der mehr sieht als wir. Es wendet sich an den, der das Versprechen auf eine Faire, eine Gerechte, menschlichere und liebende Gesellschaft immer noch in den Händen hält.

Pastor Martin Rutkies

Ein Wort zum Sonntag 10. Mai 2020

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! (Psalm 98,1)

Ein kleiner idyllischer Ort in Nordschweden. Hier kennt jeder jeden. Nach einem schweren Herzinfarkt kehrt der Stardirigent Daniel Dareus in seinen Heimatort zurück und übernimmt zunächst unwillig den bunt zusammengewürfelten Kirchenchor der kleinen Gemeinde. Mehr und mehr zeigt sich wie durch seine besondere Art der Proben tief Verborgenes an die Oberfläche dringt. Lange schwelende Konflikte brechen auf, die ganze Bandbreite menschlicher Sorgen und Nöte tritt zu Tage. Doch zunehmend findet der Dirigent mit Hilfe der Musik einen Weg in die Herzen der Menschen. Sie spüren, dass gerade im Singen eine unbändige Kraft der Veränderung liegt; auch die Kraft, aus dem bisherigen Leben auszubrechen; heilende Kraft für Leib und Seele. So erfüllt sich schließlich sein Lebenstraum und am Ende stimmen alle in den einen gemeinsamen Ton ein. Und es ist „Wie im Himmel“!

So lautet dann auch der Titel dieses wunderbaren Films von Kay Pollak aus dem Jahr 2005. Und gerade Chorsängerinnen und Sänger kennen dies aus eigener Erfahrung: Singen befreit und macht Mut. Singen schafft Verbundenheit über Grenzen hinweg und öffnet neue Perspektiven. Singen lässt die Seele tanzen inmitten der Härten unserer Welt.

Da ist es für manch einen, neben vielem Andren, ein großer Kummer, dass seit nunmehr 8 Wochen keinerlei Chorproben mehr stattfinden dürfen. Es fehlt die vertraute Gemeinschaft. Es fehlen die unbeschwerten Höhen und Tiefen. Es fehlt der befreiende, tröstende Gesang, der manchen Kummer des Alltags in den Hintergrund treten lässt.

Doch vielerorts sind Menschen kreativ geworden, treffen sich mit entsprechendem Sicherheitsabstand in den Nachbarschaften, stimmen gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“ an. Und gerade auch das aus vollem Herzen gesungene „Christ ist erstanden“ am Ostersonntag hat mich tief berührt.

Inzwischen gibt es in der Corona-Pandemie erste Lockerungen und auch Gottesdienst dürfen unter vielfältigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen wieder gefeiert werden – das ist eine gute, ermutigende Nachricht. Doch der Wermutstropfen wurde umgehend mitgeliefert: „Auf gemeinsamen Gesang ist zu verzichten!“ Wegen der Aerosole besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Und wie sollte es auch gehen: Kräftiger, fröhlicher Gemeindegesang unter dem dringend empfohlenen Mund-Nase-Schutz, wo doch bereits beim Sprechen die Brille beschlägt?!

Wie kann also unser Gesang unter diesen Umständen aussehen – gerade an diesem Sonntag ‚Kantate‘, der uns ja bereits mit seinem Namen zum Singen in der österlichen Freudenzeit auffordert?!

Vielleicht sind da unsere Gottesdienste in dieser Zeit Gottesdienste der singenden Herzen. Ein inwendiges Singen mit leisem Summen hinter der Maske. Ein hörendes Singen beim Klang der Orgel. Ein achtsames Wahrnehmen und Spüren, welche Saiten Worte und Töne in mir zum Klingen bringen:

„Lob Gott getrost mit Singen, frohlock, du christlich Schar!

Dir soll es nicht misslingen, Gott hilft dir immerdar.

Ob du gleich hier musst tragen viel Widerwärtigkeit,

sollst du doch nicht verzagen; er hilft aus allem Leid.“

Übrigens – es darf laut und kräftig gesungen werden: zu Hause, im Garten, bei Spaziergängen in der neu erwachten Natur, beim Radfahren, im Auto…

Und gewiss werden sich unsere Stimmen auch wieder im Gottesdienst vereinen und es wird klingen – wie im Himmel. Bleiben Sie gut behütet!

Pastorin Christa Siemers

Ein Wort zum Sonntag: 3. Mai

Andacht 3. Mai

Gedanken zu Psalm 31,9: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

Ein Wort, das durchatmen lässt. Mich erinnert es an den Berg der Seligpreisungen, den wir während unserer Gemeindefahrt 2018 in Nordisrael kennenlernten: der gepflegte Garten, der sanft zum See hin abfällt. Palmen, blühende Orangenbäume und Hibisken. Und natürlich der atemberaubende Blick auf das Galiläische Meer, den tiefblauen See Genezareth, dessen entferntes südliches Ufer im Schönwetterdunst verschwindet. An den Rändern des Weges Zitate aus der Bergpredigt Jesu: „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“  (Matthäus 5,6f.)

„Immer Abstand halten“ ermahnt mich eine ältere Dame im Supermarkt um die Ecke. Freundlich weist sie auf die rot-weißen Klebestreifen auf dem Boden hin. Eigentlich dachte ich, ich hätte mich richtig hingestellt. Diese 150 cm gehören doch mir!?  Am Käsetresen ist anscheinend alles nicht so einfach. „Wiir haben es hier in Osterholz-Scharmbeck  ja noch gut. Wenn man die Berichte über Süddeutschland hört...“

Sie hat recht. Anderen geht es entschieden schlechter. Und vieles wird getan, auch und gerade im Kleinen. Nicht nur unsere Kirchengemeinde bietet alleinlebenden älteren Menschen an, für sie einzukaufen. Gerade Jüngere denken in dieser Situation an diejenigen, die Hilfe brauchen.

Hilfe wird auch auf europäischer Ebene geleistet, wenn etwa Schwerkranke aus dem französischen Elsass in deutsche Kliniken geflogen werden, wo Intensivbetten zur Verfügung stehen. Trotzdem starben in Italien viele schwerstkranke Corona-Patienten, die geringere Überlebenschancen hatten als  Menschen ohne Vorerkrankungen. Der schönklingende Begriff für das Sortieren in drei Kategorien, das greift, wenn nicht genügend Beatmungsgeräte für alle da sind, heißt ‚Triage‘. Ein Verfahren, vor dem jeder Arzt und jede Ärztin zurückscheut. Was würde man in Deutschland sagen, wenn viel mehr transportfähige Patienten aus dem europäischen Ausland nach Deutschland geflogen würden und man auch bei uns danach schaute, wer gute Heilungschancen hat und wen man am besten gleich aufgibt? Wie sähe unsere Reaktion aus, wenn alle Beatmungsmaschinen auf europäischer Ebene zentral verwaltet und ohne Beachtung der Nationalität zugeteilt würden? Warum nur im Warenverkehr europäisch oder gar global denken? Die Prämisse bei uns lautet: Es müssen genügend Kapazitäten für deutsche Patienten vorgehalten werden. Aber warum eigentlich? Sind wir mehr wert als unsere Nachbarn? Gehört ein Deutscher bei der international bereits stattfindenden Triage automatisch in die obere Kategorie?

Jüngst hörte ich, man nähme es uns in Italien sehr übel, dass Deutschland einen Exportstop für Masken und Schutzkleidung erlassen habe. Italien fühle sich alleingelassen, wie schon bei der Flüchtlingskrise. Die gibt es immer noch, obwohl sie in den Nachrichten kaum mehr auftaucht. Der weite Raum, den die christliche Tradition auch der Menschenliebe eröffnen möchte, hat sich auf die Ausmaße einer Rettungsinsel zusammengezogen. Der barmherzige Samariter, jenes allzu bekannte Symbol der Nächstenliebe, scheint vergessen: Ausgerechnet ein verhasster ‚Ausländer‘ hilft einem Juden, und nur er. Unser weiter Raum ist klein geworden, zu klein für einen lebendigen christlichen Glauben. Es gilt das Motto: Rette sich, wer kann! Und wer nicht kann, der muss eben sehen, wo er bleibt.

Als ich vor zwei Jahren das südafrikanische Kapstadt besuchte, habe ich die Township Khayelitsha kennengelernt. Khayelitsha bedeutet „Neue Heimat“. Selbst unser Guide, der in der  Neuen Heimat lebt und arbeitet, konnte nicht sagen, ob dieser Slum 1,2 oder 1,5 Millionen Einwohner hat.

Dort versucht man momentan, die Regeln des Nordens zur Begrenzung der Corona-Infektion zu vermitteln. Bewohner der dicht an dicht gebauten Wellblechhütten werden an der Tür anhand eines Bogens befragt, wann sie zuletzt in China oder Europa waren. Die Antwort ist zumeist schallendes Gelächter. Einige haben noch nicht einmal das weiße Zentrum Kapstadts gesehen. Auch wenn die braven Hilfskräfte auf die Hygiene- und Abstandregeln hinweisen, ist die Reaktion bestenfalls Hilflosigkeit. Wie soll man Lebensmittelvorräte finanzieren?

Wir nähern uns einem  sechs Meter langen Normcontainer, wie er in besseren Zeiten häufig an den geschlossenen Bahnschranken der Bremer Straße zu sehen war. Dort lebe eine sechsköpfige Familie, die bereit wäre, mit uns zu sprechen und uns ihr Heim zu zeigen.

In die Wand des Containers sind zwei Löcher geschnitten: ein großes für die Tür, ein kleines für ein Fenster. Schnell entpuppt sich der Container als Zweifamilienheim. Die Wohnung, aus nur einem Raum bestehend, ist drei Meter breit und drei Meter tief. Die Familie lebt auf neun Quadratmetern. In einem zentralen Backsteingebäude gibt es Trinkwasser. Dort kann man auch die Fäkalien entsorgen. Über die Stromversorgung wird nicht gesprochen. Eigentlich gibt es nur im Backsteingebäude elektrischen Strom, wobei man Münzen in einen Automaten werfen muss. Aber alle Hütten haben sich illegal an das Netz angeschlossen. Ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen.

Heute frage ich mich: Wie sollen hier Abstandregeln eingehalten werden? Wie soll man hier auf Hygiene achten? Der einzige Erfolg scheint zu sein, dass die Zahl der Morde seit der Quarantäne massiv sinkt; die Männer bekommen kaum noch Alkohol.

Familienoberhaupt ist hier die Großmutter. Ihre fünf Enkelkinder sind Waisen. Auch in anderen Teilen Südafrikas hat Aids gerade die Generation der Ernährenden besonders stark betroffen.

Beim Abschied frage ich die alte Dame, die uns ihre Unterkunft gezeigt hat, ob ich sie fotografieren dürfe. Sie willigt ein, stellt sich vor mich hin und nimmt die Gebetshaltung ein: die ausgebreiteten Arme, die nach oben geöffneten - leeren - Hände. Von oben erwartet sie Hilfe. Nicht von ihrer Regierung, sondern von Gott. Und von uns?

Lange schienen deutsche Hilfsorganisationen mit internationaler Perspektive von der Corona-Pandemie völlig überrollt. Mittlerweile bietet das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche im Rahmen der Diakonie Katastrophenhilfe gezielte Projekte an.

Eine Beschreibung und die Möglichkeit zu helfen finden Sie unter

https://www.diakonie-katastrophenhilfe.de/projekte/corona-virus

Pastor Gert Glaser, Osterholz-Scharmbeck

Ein Wort zum Sonntag: 26. April

Kontraste

Keine Wolken am Himmel. Schon seit Tagen. Die Sonne tut gut, ohne Frage, denen, die zuhause bleiben müssen und denen, die nach der Arbeit noch ein bisschen Wärme und Licht tanken.

Das Kelleraufräumen wird unterbrochen, der Staub von der Hose geklopft, durchgeatmet.

Wer kann, fährt mit dem Rad zur Arbeit. Frühlingsfrieden erquickt die Seele. Und die Menschen in ihren Gärten haben schon wieder ein gemeinsames Thema: Es ist viel zu trocken!

Bilder, die ich in den Medien sehe, bleiben in diesen Zeiten länger haften. Immer noch die Särge aus Bergamo. Oder aus dieser Woche das Bild eines Krankenpflegers in den USA, der zwischen den Autos steht, aus denen heraus Menschen gegen die von ihren Gouverneuren angeordneten Maßnahmen demonstrieren – mit Waffen, mit Lärm und großer Ungeduld. In Angesicht meines Feindes – wer bei der Bekämpfung eines Virus vom Krieg spricht, ruft martialische Bilder auf.

Daneben tauchen andere Bilder auf. Die Ehrenamtlichen, die in diesen Tagen die „Tafel“ auf die Räder gebracht haben. Ich höre, wie schön das ist, so viel Freude zu sehen, wenn an die Tür gebracht wird, was in der kommenden Woche hilft, den Tisch zu decken.

Die Freundin, die abends online mit den Brüdern aus Taizé betet. Die vielen, die medial die Menschen in ihre Kirche hineinnehmen, damit diese sich erfreuen am Blick in das Haus Gottes, in dem sie zur Zeit nicht sein dürfen, aber dennoch bleiben wollen im Glauben.

Verwirrungen: Erst übertrumpfen sich die Länderchefs in der Verschärfung der Maßnahmen, nun wollen viele bei den Lockerungen die ersten sein. Wo geht es lang? Was ist die richtige Straße in dieser Krise – kontrollierte Infektionszahlen oder der Versuch, das Virus auszutrocknen?

Kann das überhaupt gelingen in einer vernetzen Welt? Menschenleben retten, Arbeitsplätze retten, wie lässt sich das vereinbaren, wo wird es gegeneinander ausgespielt?

Harte Kontraste zwischen den Arbeitswelten und Lebensbedingungen überall.

„Ihr wart wie irrende Schafe“ sagt der Predigttext aus dem 1. Petrusbrief (1. Petrus 2,21-25).

Meint er uns - in den leidenschaftlich bis erregt geführten Diskussionen um Maskenpflicht, Abstand halten, Shoppingfreiheit und Kneipenbesuche?

Meint er uns -  die wir fürchten, was noch kommt: Mit der Unsicherheit um Arbeitsplätze, um das gesellschaftliche Miteinander? In der Sorge der einen, dass in der Wirtschaft möglichst schnell „alles wie immer“ sein soll und der Hoffnung der anderen, dass sich nun endlich etwas verändern ließe?

In der Ohnmacht, dass so vielen Menschen ein Leben die Würde verwehrt wird – nicht nur durch „Corona“? Und dem Wissen, dass auch unser Handeln, Konsumieren und Sparen dazu beiträgt?

Ja, er meint uns. Seine Christengemeinde damals und heute.

Ihnen und uns sagt er: „Ihr wart wie irrende Schafe.“

Aber in Vergangenheitsform: Ihr wart, ihr seid es nicht mehr.

Ihr habt einen „Hirten euerer Seelen“ gefunden. Der Glaube an den Jesus Christus macht uns zu neuen Menschen: Er zeigt, dass unser Trost im Leben und im Sterben nicht auf unserem Tun beruht, sondern in Jesus Christus gründet. Der für uns den Weg ans Kreuz gegangen ist, damit wir leben.

Irren bleibt menschlich; wir bleiben Irrende und Suchende in unserem Denken und unseren Diskussionen.

Aber der Glaube gibt dem Blick eine Richtung. Auf Ostern, an dem etwas so viel Größeres geschehen ist als wir fassen können. Und von Ostern her zu den Menschen, die um uns sind, uns anvertraut.

Der Sonntag 26. April trägt den Namen der „Barmherzigkeit Gottes“ und bedenkt in seinen Texten, was es heißt, in diesem Gott einen guten Hirten zu haben. Darum lädt er in besonderer Weise ein zum Gebet. In einem Gottvertrauen, das trägt, in leichten und in schweren Zeiten des Lebensweges.

 

Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquickt meine Seele.

Er führt mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal,

fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbst mein Haupt mit Öl

und schenkst mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit

werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben

im Hause des Herrn immerdar.

Amen.

Birgit Spörl

Ein Wort zum Sonntag: 19. April

Corona-müde? Klar - aber langsam geht es auch!

Wie steht es um Ihre Geduld? Sind Sie noch guten Mutes bei der nötigen Sache oder können Sie das Wort Corona schon nicht mehr hören? Noch mal wieder wurden die Einschränkungen verlängert. Noch mal wieder zwei Wochen wird alles ausgebremst, was für uns doch ganz selbstverständlich zum Leben gehörte. Bewegungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, die Freiheit zu reisen, zu kaufen und zu verkaufen. Noch mal weiter greift die Unsicherheit um sich. Was wird aus meinem Job, was wird aus meinem alten Vater, was wird, wenn es doch mehr Patienten werden?

Natürlich wissen wir, dass Vorsicht geboten ist. Wir brauchen ja nur ein wenig die Nachrichten verfolgen. Aber das Wetter wird besser, sprich wärmer, die Natur lebt auf - und wir kennen die Spazierwege in unserer nächsten Umgebung nun doch schon zur Genüge. Natürlich wissen wir, wir müssen uns gedulden. Aber das geht doch nun schon - wie lange eigentlich? - Nun muss es auch mal gut sein.

Ist es nicht. Die Aussichten bleiben voller Unsicherheiten. Ein wenig Lockerung der strengen Auflagen hier und da. Das muss genügen. Das Virus ist unser Meister. Und wir haben uns zu beugen.

Der Widerstreit aber zwischen Vernunft und durchaus auch Angst auf der einen Seite und dem Wunsch nach unserem alten Leben voller Möglichkeiten und Freiheiten auf der anderen Seite, der hinterlässt Spuren. Und je länger es dauert, dieses Gefühl, verzichten zu müssen, ausgeliefert zu sein, kein Ende absehen zu können, desto mehr unterhöhlt es alle Einsicht, alle Klugheit, alle Rücksichtnahme, alle Lust an der Ruhe. War eine interessante Erfahrung, könnte jetzt aber mal aufhören.

Hört es aber nicht. Ich denke, wem es so wie beschrieben geht, der muss sich sein Seufzen, seine Unzufriedenheit, seine Antriebslosigkeit nicht übelnehmen. Wir waren so was nicht gewohnt, wir konnten das so nicht erwarten, wir sind ungeübt, es trifft uns hart und unnachgiebig. Sich unruhig oder doch verzweifelt, ängstlich oder nur genervt, verstört oder hilflos zu fühlen, ist einfach nur verständlich.

Ich will Ihnen zwei Sichtweisen in dieser verunsichernden Zeit zur Seite stellen. Die erste ist eine lebensweisheitliche Geschichte von Johann Peter Hebel, spielt in einer Zeit vor 200 Jahren als sich unsere Moderne in ihrer Getriebenheit abzuzeichnen begann.

Auf dem Weg nach Basel wird ein Wanderer von einem schwer beladenen Fuhrwerk eingeholt. Der Wagenlenker hat es offenbar eilig. Schaffe ich es noch bis Torschluss nach Basel, fragt er. Schwierig, antwortet, der Wanderer, aber wenn ihr langsam fahrt, vielleicht. Ich will auch noch dahin gehen, es sollten so zwei Stunden sein.

Witzbold, denkt sich der Fuhrmann. Wenn ich langsam fahre, zwei Stunden. Das schaffe ich doch locker in anderthalb und gibt den Pferden die Peitsche, dass die Steine davonfliegen, die Pferde die Eisen verlieren, ein Rad sich lockert. Was soll’s, denkt der Fuhrmann, erst ein Achsbruch zwingt ihn zu halten. Über Nacht muss er im nächsten Dorf bleiben, Basel unerreichbar. Als der Wanderer auf seinem Weg in dem Dorf vorbeikommt, sagt er noch: Ich habe es euch gesagt: Wenn ihr langsam fahrt.

Können Sie Ihre Sympathie dem Wanderer schenken? Auch wenn der Ratschlag der Geschichte zu klar auf der Hand liegt? Betreibe deine Dinge angemessen, dann kommst du eher ans Ziel, als wenn du es erzwingen willst. Das fällt nicht schwer auf unseren Umgang mit Corona zu beziehen. Das sagen uns Regierende und Experten immer wieder: mit Augenmaß und mit nötigen Grenzen unser Leben jetzt führen, dann erleiden wir keinen Achs- und Wagenbruch. Sympathie für den Wanderer? Auch er hat ein Ziel, das er erreichen will. Aber er schätzt seine Möglichkeiten richtig ein. Für ihn ist es kein Verzicht, sondern die richtige Lösung. Und so geht er zwar stetig, aber ruhigen Schrittes, schaut sich um in der Natur, kämpft nicht mit den Schlaglöchern seiner Straße, sondern hüpft über sie hinweg. Und geht mit federndem Schritt durchs Dorf hindurch, wo der Wagenlenker verzweifelt stecken bleibt.

Die zweite Sichtweise, die ich Ihnen in Ihre Corona-Zeit mitgeben will, ist die Stimme des Propheten Jesaja, der seinen mutlosen Zeitgenossen zuruft: Was jammert ihr da rum: „Mein Weg ist Gott verborgen, meine Hoffnungen sind ihm egal“. Ihr habt ja keine Ahnung: Gott ist unermüdlich: Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden vielleicht müde und matt und Männer straucheln und fallen, aber die auf Gott bauen, bekommen neue Kraft, das sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Das ist ein Appell, sich den Blick nicht verstellen zu lassen auf diese Energie Gottes, die viel mehr aushält als unsere Ermüdung. Mit Gott auf dem Weg sein, das meint, die eigene Mattigkeit zuzulassen, aber sich ihr nicht zu überlassen. Sich von Gott an seine Gabe des Lebens erinnern zu lassen, das meint, lebensklug und angemessen den Weg weitergehen, mit Gott auf dem Weg sein, das meint sich von Gott mehr anstecken zu lassen als von einem Virus, sich den Weitblick nicht verstellen zu lassen, wie es gut weitergeht, wenn die Masken auf Dauer abgelegt werden.

Pastor Eckhard Gering

Ein Wort zum Sonntag: Ostern (12. April)

Ein Schatten von Karfreitag liegt über Ostern – Oder den Finger in die Wunde legen.

Es ist Karfreitag. Ich würde mich jetzt innerlich auf den Karfreitagsgottesdienst vorbereiten, aber der findet nicht statt. Die Kirchen sind geschlossen. So etwas gab es noch nicht, dass am Karfreitag die Gottesdienste ausfallen. So finde ich Zeit, das Wort zum Sonntag, zu Ostern 2020, zu schreiben.

 Ich würde gerne etwas über den Sieg Gottes über den Tod schreiben. Vom Zeichen des Frühlings, über das erwachende Leben in der Natur als Gleichnis für die Auferstehung. Aber in den Nachrichten finde ich Zahlen, die mich erschrecken. Heute Morgen zählte man in Deutschland 2423 am Virus Verstorbene. England knapp 8000. Frankreich 12300, Spanien 15500, USA fast 17000, Italien 18300. Zahlen, die einen betäuben, Zahlen die auch noch in den nächsten Wochen anwachsen werden. In den USA rechnet man bis August mit 60000 Toten. Hinter jeder Zahl verbirgt sich ein Name, ist eine Familie mit gemeint, Freunde, Nachbarn.

Hinzu kommt, dass viele Existenzen bedroht sind. Zuhause bleiben heißt es. Und was sich auch zeigt ist, dass es die Schwachen trifft. Die Alten, aber auch die, die keinen Zugang zu einer medizinischen Versorgung haben, wie in den USA oder in Afrika.

Der Schatten von Karfreitag liegt über Ostern, der den Ostergruß. „Christus ist auferstanden, ja er ist wahrhaftig auferstanden!“ fast verstummen lässt. Ich würde ihn gerne gegen die Zahlen schleudern, aber sie werden weiterwachsen. Und in den Kirchen werden wir auch zu Ostern und danach in absehbarer Zeit keine Gottesdienste feiern können.

 Wir werden alle gezeichnet sein, wenn dieser Virus sich ausgetobt hat oder bis wir einen Impfstoff gefunden haben.

 Aber vielleicht ist ja dies gerade auch die Geschichte von Ostern. Wir können von Ostern nicht ohne Karfreitag erzählen. Der Gekreuzigte ist auferstanden. Es ist eben kein abstraktes Auferstehen, als wäre es, ohne diese Zahlen mit all ihren Namen zu denken.

Und da lohnt es sich dann doch nochmal die Geschichten der Auferstehung Jesu genauer anzuschauen. So wie wir gezeichnet aus dieser tödlichen Bedrohung kommen dürfen, so erschien Jesus auch als Gezeichneter. Die Menschen, denen er erschien, wie den Emmaus- Jüngern, Maria und Martha, oder auch Thomas, erkannten ihn als Auferstandenen nicht sofort. Sie erkannten ihn erst, als sie seine Wunden sahen und er mit ihnen das Brot brach.

Ostern ist eher ein verborgenes Fest, noch nicht sichtbar, und nur für den zu erkennen, der die Wunden erkennt und nicht wegschaut oder gar wie Thomas es tut:  Den Finger in die Wunde legt. Dass Jesus von den Toten auferstanden sein soll, ist für ihn erst einmal fake News. Kann ja jeder behaupten. Erst als er seinen Finger in seine Wunde legen konnte, erkannte er ihn.

Den Finger in die Wunde legen. Dieses Sprichwort hat seinen Ursprung in dieser Geschichte. Wenn wir diesen Virus dann tatsächlich mal überwunden haben sollten, dann gilt es ebenso wie Thomas es tat, den Finger in die Wunde zu legen. Fragen zu stellen, wie konnte es soweit kommen? Was müssen wir ändern?

 Ostern ist dann nicht das Feiern einer heilen frühlingshaften Welt, sondern der Beginn eines neuen Anfangs.

von Pastor Martin Rutkies

 

Ein Wort zum Sonntag

Text zum Palmsonntag - Wege

Viele Menschen bleiben aus Vernunft oder gezwungenermaßen zu Hause. Gewohnte Wege fallen weg: Für viele der Weg zur Arbeit, der Weg zur Schule oder in die Kindertagesstätte, der Weg zur Sportgruppe oder zum Kaffeetrinken mit der Nachbarin.

Es bleiben die Wege zum Bäcker oder in den Supermarkt, der Weg zum Arzt, wenn es unbedingt sein muss. Sonst bleibt noch das Spazierengehen, aber auch das oft allein. In den letzten 14 Tagen habe ich viel mehr Menschen als sonst allein unterwegs gesehen. Interessanterweise wirken nur manche unzufrieden darüber, andere machen den Eindruck, ganz bei sich und dabei recht zufrieden zu sein.

Manchmal ist die äußere Situation ein Spiegelbild der inneren. So legen wir auch im übertragenen Sinn manche Wege allein zurück – manchmal schwere, mitunter auch sehr schöne -, andere Wege sind geprägt von Weggefährten, die untrennbar mit diesem Weg zusammengehören.

Am Palmsonntag gibt es viele Weggefährten für Jesus. Als Messias zieht er in Jerusalem ein. Viele Menschen begrüßen ihn als Sohn Davids, einer anderen Formulierung für den erwarteten Retter. Ob es Jesus gefallen hat, sagen uns die Evangelien gar nicht, aber ich nehme es an. Diesen Zuspruch wird er genossen haben, oder richtiger: sich gefreut haben, dass diese Menschen verstanden haben, wofür er steht. Und zugleich wird er geahnt haben, dass sein Weg anders weitergehen würde. Diese Weggefährten fehlen, als andere das Kreuzige ihn! rufen. Wir wissen es nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es dieselben Leute gewesen sein sollen.

Am stärksten wird es Jesus getroffen haben, dass seine engsten Weggefährten, die Jünger, ihn in der entscheidenden Stunde verlassen haben. Davon ist jedoch am Palmsonntag noch nichts zu sehen.

Momentan sehen längst nicht alle unserer Mitmenschen, wie es weitergehen wird, weder wirtschaftlich noch ganz persönlich. Die Coronakrise hat für eine ganze Reihe von Selbständigen und Freiberuflern, aber auch von Arbeitnehmern quasi über Nacht eine Bedrohung der Existenz herbeigeführt. Es passt erschreckend zu dem Umschwung, den Jesus von Palmsonntag bis Karfreitag erlebt hat. Sicher lässt sich beides nicht einfach gleichsetzen, aber die Erfahrungen ähneln sich schon in manchen Punkten: aus einer hoffnungsvollen Situation (vor Corona) entsteht in kurzer Zeit eine höchst bedrohliche Lage.

Wir wissen, dass der Weg Jesu, der an Palmsonntag hoffnungsvoll ausgesehen hat und an Karfreitag in einem scheinbaren Fiasko endete, eben dort nicht endete, sondern dass nach Karfreitag Ostern folgte. Wir dürfen die Parallelen nicht überstrapazieren, aber es zeigt uns deutlich: Gott hilft dem Leben zum Sieg. Gott steht denen bei, die es momentan schwer haben und ganz oft hat er für uns eine Perspektive parat, die über den ganz kritischen Punkt hinausführt zu neuer Zuversicht und neuem Glück.

So kann der Weg Jesu uns auf unseren aktuellen Wegen Mut machen, gegen den Augenschein zu vertrauen und dem Neuen und Lebendigen entgegenzugehen.

Pastor Georg Ziegler