Andachten und Impulse

Wort zum Sonntag

Geistliche Impulse

Wort zum Erntedanktag

Matthäus 6,19-21: Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.  Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist dein Herz.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Schätze im Himmel. Können Sie sich die vorstellen? Matthäus schreibt, sie würden nicht von Motten und Rost gefressen und nicht gestohlen werden. Wohl, weil solche Schätze nicht zum Anfassen sind. Aber was zeichnet sie dann aus? Was ist unzerstörbar und ewig haltbar? Ist damit der Glaube gemeint? Oder die Hoffnung, die Zuversicht, die Freude? oder Träume?                                                         Glaube kann sich in Zweifel verwandeln, Hoffnungen kann sterben und Träume können zerplatzen.                                                      Schätze im Himmel. Sie haben es mit der Liebe zu tun. Wenn wir lieben, dann sammeln wir Schätze im Himmel. Das können Erinnerungen sein und Begegnungen, Zusammensein mit anderen Menschen. Gedanken, die wir einfach nicht vergessen können, die uns immer wieder einfallen und für die wir dankbar sind.

„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ scheibt Matthäus. Der größte himmlische Schatz ist dann vielleicht das Gottvertrauen, dessen ich mich immer wieder neu vergewissern muss, weil ich es ja nicht wie einen Gegenstand in der Hand halten kann.                                                                                                  Es ist schon einfacher mit den irdischen Schätzen. Für den Erntedanksonntag sammeln wir die Früchte der Ernte, stellen sie auf und staunen und danken. Aber wir wissen auch: sie werden vergehen. Wir essen sie auf oder sie verrotten und werden wieder zu Erde.

In der Welt wird viel Geld verdient mit den Schätzen, die uns die Erde schenkt. So ein irdischer Schatz ist die Schönheit. Auch Schönheit ist vergänglich. Aber was wird nicht alles unternommen, um damit Geld zu verdienen oder Karriere zu machen. Alle Kulturen haben gemeinsam, dass der oder die mit Schönheit Gesegnete, begünstigt wird, erfolgreicher durchs Leben geht und angesehener ist. Zwar gibt es in jeder Kultur ein anderes Schönheitsideal, aber Schönheit geht jeden an.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ So fragt die Königin-Stiefmutter von Schneewittchen. Immer antwortet der Spiegel, dass sie die Schönste sei, bis Schneewittchen herangewachsen ist und vom Spiegel, der immer die Wahrheit sagt, für schöner befunden wird.                                                                                                                                                                 Damit beginnt das Drama. Die Königin ist alt geworden und kann es nicht einsehen. Sie wird zornig und ist neidisch und versucht drei Mal, Schneewittchen um zu bringen. Sie wird zu einer bösen alten unglücklichen Frau, weil ihr Herz an der Schönheit hängt. Was für ein schönes Beispiel für die Vergeblichkeit, sein Herz an irdische Dinge zu hängen. Man wird böse, einsam und unglücklich.                  Die Königinschwiegermutter weiß nicht von der Liebe. Oder sie hat sie über ihren Schönheitswahn vergessen.                                                                                                                                                                                     Sammelt Euch Schätze im Himmel, sagt Jesus. Wie geht das?                                                                                     Hier eine Empfehlung: Liebe Menschen, trainiert eure Liebenswürdigkeit! Sie ist euch geschenkt Schaut euch nur die kleinen Babys an – absolut liebenswürdig.                                                                            Versucht darin zu wachsen: liebenswürdig mit euch selbst, mit euren Mitmenschen und mit Gott um zu gehen.                                                                                                                                                               Auch wenn man alt ist, wenn man auf die Hilfe anderer angewiesen ist, kann man liebenswürdig sein. Die Liebenswürdigkeit ist ein Schatz, den Motten und Rost nicht zerfressen können. Sie ist eine Würde und Schönheit, die auch im Alter nicht zwangsläufig verloren geht.

Wir feiern Erntedankfest und danken Gott für die Gaben, die gewachsen sind, die wir ernten konnten und die uns zum Leben helfen.                                                                                                                             Wir danken Gott aber auch für die Liebe, die uns himmlische Schätze sammeln lässt. Amen.

Wort zum Sonntag 26.9.2021

17. Sonntag nach Trintiatis

Manchmal habe ich Watte im Kopf. So fühlt es sich an.Im Gespräch mit anderen wird mir plötzlich eine Antwort an den Kopf geworfen, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ein blöder Satz, ein verletzender Spruch und schon fühle ich mich wie aus der Bahn geworfen. Konnte ich bisher noch gut mitdiskutieren, bin ich auf einmal völlig verunsichert und weiß auf einmal nicht mehr, was ich antworten soll.

Ich versuche, Worte für das zu suchen, was ich gerne sagen würde, doch mir fällt nichts ein.
Ich schweige, entziehe mich vielleicht der ganzen Diskussion.
Doch die Situation lässt mich nicht los. Ich ärgere mich über das, was mir an den Kopf geworfen wurde.
Und oft ist es so, dass mir dann zuhause die klugen Antworten einfallen. Da habe ich dann all meine Argumente sortiert und weiß, was ich gut hätte sagen können.
Zuhause ist es dann aber oft zu spät.
Im Matthäusevangelium gibt es eine kleine Geschichte, die mir imponiert:
Jesus verließ Gennesaret und zog sich in das Gebiet von Tyros und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus dieser Gegend zu ihm. Sie schrie: »Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem bösen Dämon beherrscht!« Aber Jesus gab ihr keine Antwort.
Da kamen seine Jünger zu ihm und baten: »Schick sie weg! Denn sie schreit hinter uns her.« Aber Jesus antwortete: »Ich bin nur zu Israel gesandt, dieser Herde von verlorenen Schafen.« Aber die Frau fiel vor ihm auf die Knie und sagte: »Herr, hilf mir doch!« Aber Jesus antwortete: »Es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen.« Die Frau entgegnete:»Ja, Herr! Aber die Hunde fressen doch die Krümel, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen.«
Darauf antwortete Jesus: »Frau, dein Glaube ist groß! Was du willst, soll dir geschehen!« In demselben Augenblick wurde ihre Tochter gesund.
Weil ihr Tochter schwer krank ist, macht sich die Frau auf den Weg zu Jesus. Sie braucht Hilfe für ihre Tochter.
Doch so einfach ist es nicht. Jesus schenkt ihr keine Beachtung. Erst einen Moment später antwortet er ihr und seine Antwort ist ganz und gar nicht so, wie wir sie von Jesus kennen. Er wendet sich ihr nicht einmal zu, sondern verkündet über ihren Kopf hinweg: Ich bin nur zu Israel gesandt. Damit sagt er ihr: Für dich, die du nicht aus Israel kommst, kann ich nichts tun.
Doch die Kanaanäerin lässt sich nicht so leicht abschütteln. Sie bleibt dran und hakt noch einmal nach. Trotzdem bleibt Jesus bei seiner Antwort. Mehr noch, er vergleicht die Frau sogar mit einem Hund, der den Kindern das Essen wegnimmt. Ich frage mich, wie hätte ich an ihrer Stelle reagiert? Hätte ich die Kraft aufbringen können,
einfach weiter zu argumentieren? Oder hätte mich die Antwort von Jesus so geplättet, dass mir die Worte gefehlt hätten?
Wenn ich ehrlich bin, vermute ich, hätte mal wieder Watte im Kopf gehabt. Spätestens in dem Moment hätte ich vermutlich den Rückzug angetreten.
Manchmal wünsche ich mir, ich wäre ein bisschen mehr wie diese Frau. Manchmal hätte ich auch gerne mehr Durchsetzungsvermögen. In so vielen Situationen würde ich gerne deutlicher sagen, was mir wichtig ist.
Ich frage mich: Woher nimmt sie die Kraft? Wie schafft sie es, die Verletzung einfach wegzuschieben?
Ich überlege, wie sie von Jesus erfahren hat. Sicherlich werden ihr andere Menschen von Jesus erzählt haben. Sie werden ihr gesagt haben, wer er ist. Und dann werden die Menschen ihr Mut gemacht haben. Sie werden sie bestärkt haben, dass Jesus ihr helfen wird. Bestimmt haben sie ihr gesagt, dass sie keine Angst vor ihm haben muss. Ich gehe davon aus, dass ihr die Erzählungen der anderen Menschen Kraft gegeben haben.

Durch diese Menschen sind ihre Hoffnung und ihr Glaube an Gott gewachsen. In ihrer Not ist ihr Glaube so groß geworden, dass sie davon überzeugt ist, dass Gottes Liebe alle Grenzen überwindet. Auch für sie, die nicht zum Haus Israel gehört, ist Gott da.
Dieses grenzenlose Vertrauen in Gott beeindruckt sogar Jesus.
Diese Geschichte zeigt mir, wir Menschen können uns gegenseitig bestärken und Mut machen. Es tut gut, sich mit anderen auszutauschen, um Lösungen zu finden, die wir allein nicht finden würden.
Und vor allem zeigt sie mir, es lohnt sich auf Gott zu schauen. Er ist ein Gott, der für uns da ist. Er ist größer als wir manchmal glauben.
Seine Liebe zu uns überschreitet alle Grenzen. So ausweglos die Situation auch erscheinen mag, er ist auf unserer Seite. Auf ihn können wir vertrauen.
Manchmal hilft mir der Gedanke, dass Gott an meiner Seite ist, wenn ich mal wieder Watte im Kopf habe. Wenn mir mal wieder die Worte fehlen und ich nichts zu antworten weiß, dann hilft es mir tief durchzuatmen.
Ich merke, dass ich ruhiger werden. Selbst wenn das nicht heißt, dass ich sofort immer eine gute Antwort finde, spüre ich, dass ich diese unangenehme Situation besser aushalten kann.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gesegnete Woche. Bleiben Sie behütet!
Ihr Henning Mahnken 

Wort zum Sonntag am 12. September 2021

„Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn...“ (Lukas,5-6)

Ich saß im Sprechzimmer, der Ärztin gegenüber. Seit Wochen schon konnte ich nichts essen. Körper und Seele hatten sich verschlossen.

„Glauben Sie mir: Ich habe viele Menschen erlebt, die so verzweifelt auf diesem Stuhl saßen.“ Damit meinte sie nicht, ich sei für sie lediglich eine Nummer, einer von vielen, sondern: „Allen ist geholfen worden. Und so wird es auch Ihnen gehen. Dafür werde ich sorgen. Ja, dafür bete ich.“ Mich erreichten ihre Worte damals kaum. Eine Stimme aus einer fremden Welt, die sich vergeblich bemühte, zu mir durchzudringen. Die aber auch Verständnis für mein Verschlossensein zeigte und mich nicht unter Druck setzte.

„Vergessen Sie nicht: Wir sind nicht allein. Gott begleitet uns, und er lässt uns nicht fallen.“ Ich sah die Ärztin ungläubig an: „Das sagt mir mein Verstand auch. Aber zurzeit ist es für mich nur Theorie.“

Mittlerweile ist das 10 Jahre her. Es geht mir gut, sehr gut sogar. Damals haben mir Freunde geholfen. Auf einmal waren sie da, ohne zu fragen, ohne sich anzukündigen. Sie halfen mir im Haushalt, wo nichts mehr lief. Sie gingen mit mir spazieren, immer nur so weit, wie ich gerade konnte. Sie luden mich zum Mittagessen ein, als das wieder funktionierte. Und die Ärztin verstand ich erst, als diese zwischenmenschliche Hilfe mich wieder aufgebaut hatte.

„Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn...“ Selbst dieses Fünkchen Glauben, selbst dieses winzige Maß hat mir damals gefehlt. Seitdem blieb ich von schweren Schicksalsschlägen verschont. Mit zunehmendem Abstand begreife ich die Krise damals als Geschenk, ja als Befreiung. Vielleicht muss so manche Befreiung zunächst einmal durch Leiden führen. So erging es den Israeliten, die Gott aus der ägyptischen Sklaverei erlöste, aber erst einmal in die Wüste schickte. Nicht zufällig betrachtet die Bibel die Wüste als Ort lebensfeindlicher Mächte.

Ich hoffe, dass ich für künftige Krisen nach dieser persönlichen Wüstenerfahrung ein wenig besser gewappnet bin. Dass da ein Samenkorn bleibt. Eine heilsame Erfahrung, die ich notfalls wachrufen kann. Eine Erfahrung, die den grauen Vorhang der Depression zerreißt. Und dass dieser Riss dann wenigstens einen schwachen Lichtstrahl passieren ließe...

Zudem habe ich während meines Israelaufenthaltes die Wüste lieben gelernt. Ausgesprochen vielfältig ist sie, schroff und sanft. Sie schimmert in den verschiedensten Farben.

Heute freue ich mich auf das, was das Leben mir noch bringen wird. Ich weiß, dass es aus Gottes Hand kommt - und dass es gut sein wird.

Gert Glaser, Pastor in St. Willehadi