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Hier werden sie in den nächsten Tagen und Wochen immer wieder kleine Texte und Anregungen finden, aber natürlich auch aktuelle Informationen rund ums Kirchenleben.

Ein Wort zum Sonntag

Ein Wort zum Sonntag   -   von Pastor Enno Kückens

 

Draußen vor dem Tor?!

„Bleiben Sie zu Hause!“  -  das ist die Botschaft dieser Tage aus der Politik, eindringlich empfohlen von medizinischen Experten.  „Der Norden bleibt zu Hause“ – so die eingeblendete Parole im NDR – Fernsehen.

In eigentümlichem Kontrast dazu stehen die Worte eines Bibeltextes, der dem Sonntag Judika (29. März) als Predigttext zugeordnet ist. Im Brief an die Hebräer wird der Ort beschrieben, an dem Jesus gekreuzigt wurde: „…draußen vor dem Tor“. Und die Leser*innen werden aufgefordert: „Lasst uns hinausgehen…und seine Schmach tragen.“ Dann folgt der abschließende Vers, den manche wohl kennen: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Brief an die Hebräer 13,12-14)

Der Kontrast ist kein Widerspruch: Auch zu Hause können wir überlegen, wozu der Verfasser dieser Briefzeilen uns auffordert: „Lasst uns hinausgehen…“, was die Worte bedeuten in Zeiten wie diesen, die manche Politiker mit einem „Krieg gegen einen unsichtbaren Feind“ beschreiben.

Ich will sagen, was mir dazu in den Sinn kommt – doch zuvor ein Wort zu jenem bekannten Vers von der „bleibenden Stadt“: Wenn uns eine Erkenntnis/Erfahrung heute nahekommt und umtreibt, dann die: „Wir haben hier keine bleibende Stadt!“

Denn dieses Bild sagt aus: Wir leben an unsicherem Ort, es gibt keine Garantie auf unversehrtes Leben! Wer die „bleibende (sichere) Stadt“ sucht, wird nach „draußen“ verwiesen, vor das Tor, zum leidenden, versehrten Jesus.

Das mag uns nicht wie ein sicherer Ort erscheinen, an dem es keine Sorgen und Ängste mehr gibt. Und doch ist das die Verheißung dieses Sonntags: Jesu Kreuz als Ort der Zuflucht, der Nächstenliebe.

„Lasst hinausgehen zu Jesus“ - warum? Bei ihm finden wir Trost. Beim leidenden Jesus sind wir mit unserem Leiden, unseren Ängsten gut aufgehoben. Und bei ihm hören wir ein Wort wie dieses: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“

Mit Staunen, Erleichterung und großer Dankbarkeit höre und lese ich von so viel Hilfe inmitten dieser Krise: für die Erkrankten; für die, die zu Hause allein sind; für die, die in wirtschaftliche Not geraten. Menschen, die sich um andere kümmern, oft bis an die Grenzen des Möglichen. Politiker*innen, die besonnen reagieren, Entscheidungen treffen. Das tut gut in diesen aufgeregten Zeiten!

„Lasst uns hinausgehen…“  -  was könnte das heißen, wenn man zu Hause bleiben muss? Kontakt halten zu anderen, vor allem zu denen, die alleine sind (Telefon, Internet, vielleicht auch schreiben?), Zuflucht sein für die, die Zuflucht suchen, beten, für mich und für andere, das Gebet als Ort der Zuflucht entdecken.

Mir fällt ein Liedtext ein, zugleich ein Gebet:

        „Du bist meine Zuflucht, du bist meine Hoffnung,

         du bist meine Stärke, lass mich nicht allein.

         Wenn mich Schläge treffen und wenn ich schutzlos bin,

         leih mir deinen Mantel und hüll mich darin ein.“